Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit

Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit

Sie sind seit langer Zeit arbeitslos und die Vermittlungschancen tendieren gegen null?

Sie möchten sich jedoch nicht damit abfinden und es auf eigene Faust probieren?

Dann ist die Existenzgründung vielleicht die richtige Option.

Hierfür müssen Sie allerdings einige Voraussetzungen mitbringen und nicht selten auch Rückschläge hinnehmen können.

Was ist wichtig?

Wenn Sie als Selbstständiger richtig durchstarten wollen, kommt es natürlich vor allem auf die richtige Geschäftsidee an.
Diese lässt sich jedoch nur verwirklichen, wenn auch das nötige fachliche Know-how vorhanden ist.

Viele Menschen versuchen sich in einer fremden Branche, haben also einen anderen Beruf erlernt als den, den sie dann ausüben wollen. So etwas kann gut gehen, wenn zumindest einige Qualifizierungsmaßnahmen durchgeführt worden sind.

Gewisse Branchenkenntnisse und fachliches Wissen sollten schon vorhanden sein. Wer jedoch rein gar keine Ahnung hat, sollte Abstand von seiner Idee nehmen oder sich einen Partner suchen, der fachlich bewandert ist.
Im Übrigen werden bei nicht ausreichender Qualifizierung auch kaum Kredite vergeben, denn jede Bank möchte sichergehen, dass der gewährte Förderkredit auch zurückgezahlt werden kann.

Viele Banken fordern Sachkundenachweise – diese sollte vorab im Rahmen von Weiterbildungen erworben werden.
Die Kosten dafür können teilweise von der Agentur für Arbeit zurückerstattet werden, sie sind auch als vorweggenommene Betriebsausgaben von den späteren Einnahmen absetzbar.

Wichtig sind überdies Durchhaltevermögen und Disziplin als persönliche Eigenschaften, ein gewisses Talent und die Weitsicht, Dinge voranzubringen.

Außerdem sollte jedem Existenzgründer klar sein, dass die erste Zeit besonders hart wird. Wöchentliche Arbeitszeiten von sechzig Stunden oder mehr sind keine Seltenheit. Auch Wochenenden und Feiertage werden als Arbeitstage herhalten müssen, die Familie muss damit klarkommen, dass sie erst einmal zurückstehen wird. Der Rückhalt durch Familie und Freunde sollte daher unbedingt gegeben sein.

Warum überhaupt selbstständig arbeiten?

Sie sollten sich nur selbstständig machen, wenn Sie das wirklich wollen – und nicht, weil Sie es müssen oder denken, keine andere Lösung für Ihr Arbeitsproblem zu finden. Denn wer nicht mit Herz und Seele hinter seinem Vorhaben steht, wird zwangsläufig scheitern.

Dabei bringt eine Selbstständigkeit natürlich gewisse Vorteile mit sich. So sind Sie nicht auf die Weisungen eines Vorgesetzten angewiesen und können eigenverantwortlich handeln – müssen für etwaige Fehler aber auch selbst geradestehen.

Sie können sich theoretisch die Branche, in der Sie tätig sein möchten, selbst aussuchen. Praktisch brauchen Sie natürlich die bereits angesprochenen fachlichen Kenntnisse und den nötigen Brancheneinblick. Sie bestimmen selbst, wann und zu welchen Konditionen Sie arbeiten, müssen sich aber in gewissem Maße an die Kundenvorgaben halten.

Sämtliche Vorteile der Selbstständigkeit sind somit mit einer kleinen Einschränkung versehen, doch diese ist nicht so stark, dass die Existenzgründung keine Option mehr ist. Versuchen Sie, sich mit dem Wettbewerb zu beschäftigen und zu erkennen, warum dieser erfolgreich ist. Sie können sicherlich die eine oder andere Erkenntnis für sich daraus ziehen und Ihre eigene Strategie entwickeln – die Sie zum Erfolg führen wird.

Sind Sie der Typ für ein eigenes Unternehmen?

Die folgende Checkliste kann Ihnen helfen, sich für die Existenzgründung oder dagegen zu entscheiden. Beantworten Sie die Fragen einfach mit „Ja“ oder „Nein“.

Fragen Sie sich Folgendes: Ja

 

Nein

 

Bereitet Ihnen der Gedanke an eine unsichere selbstständige Existenz keine schlaflosen Nächte?
Unterstützt Sie Ihr Ehe-/Lebenspartner bei Ihrem Vorhaben?
Können Sie sich vorstellen, bis zu sechzig Stunden oder mehr pro Woche zu arbeiten?
Kann sich Ihr Partner/Ihre Partnerin ausreichend um die Kinder kümmern?
Können Sie anfangs ohne mehrwöchige Urlaubspausen auskommen?
Kommen Sie damit klar, dass Ihr Einkommen zumindest anfangs unregelmäßig und wenig stabil sein wird?
Sind Sie körperlich fit und voll leistungsfähig?
Können Sie Probleme aktiv angehen und Lösungen finden?
Sind Sie stressresistent?
Können Sie sich selbst Ziele setzen und diese auch verfolgen?
Passt Ihre Berufserfahrung zu der geplanten Existenzgründung?
Kennen Sie sich in der Branche aus?
Haben Sie betriebswirtschaftliche Kenntnisse?
Haben Sie schon einmal Mitarbeiter geführt?
Können Sie auf finanzielle Reserven zurückgreifen?
Kann Ihr Lebens-/Ehepartner notfalls den Lebensunterhalt selbst bestreiten?

Wenn Sie diese Fragen überwiegend mit „Ja“ beantwortet haben, ist die Existenzgründung durchaus eine Überlegung wert. Gehen Sie dann den nächsten Schritt und lassen Sie sich eingehend beraten.

Beratungen und Fördermöglichkeiten

Ihr Berater bei der Agentur für Arbeit ist eine Anlaufstelle, wenn Sie eine Beratung zur Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit heraus wünschen.

Er kann Ihnen etwaige Erfolgsaussichten klarmachen und weiß auch, welche Vor- und Nachteile auf Sie zukommen werden.

Des Weiteren ist er in der Lage, eine Beratung zu möglichen Förderungen zu erteilen. Eine solche bekommen Sie auch auf Existenzgründerseminaren oder Gründungscoachings – die in der Regel aber kostenpflichtig sind.

Doch auch hier gilt wieder, dass Sie die entsprechenden Kosten erstattet bekommen.

Vielleicht kennen Sie auch jemanden, der erfolgreich ein Unternehmen führt und Sie beraten kann?
Wenn möglich, verschaffen Sie sich einen Überblick über alltägliche Gegebenheiten, über Anforderungen an die Buchführung, über verschiedene Werbemaßnahmen und Erfolgsstrategien. Umso besser Sie vorbereitet sind, umso größer sind Ihre Erfolgsaussichten.

Als Fördermöglichkeiten kommen verschiedene Angebote in Betracht.
So wird zum Beispiel von der KfW das StartGeld geboten, welches bis zu einer Höhe von 100.000 Euro gehen kann.

Über fünf bis zehn Jahre müssen Sie das Geld zurückzahlen, dabei sind aber bis zu zwei tilgungsfreie Jahre möglich. Wenn Sie den Restbetrag vorher tilgen wollen, wird eine Vorfälligkeitsentschädigung verlangt. Des Weiteren bieten einige Bundesländer Förderungen und Zuschüsse an, auch die Mikrokredite über wenige Tausend Euro sind eine gute Möglichkeit, um niedrige Anfangsinvestitionen zu stemmen. Die Agentur für Arbeit bietet zudem den Gründungszuschuss, der aber nur noch eine Ermessensleistung ist.

Sie haben keinen Rechtsanspruch darauf!

Gezahlt werden hier Beträge in Höhe des regulären Arbeitslosengeldes, und zwar für die Dauer von sechs Monaten. Außerdem gibt es einen Zuschuss von 300 Euro, mit dem die Sozialversicherungen bezahlt werden sollen.
Es schließt sich später die zweite Finanzierungsphase an, bei der für maximal neun Monate die 300 Euro weitergezahlt werden.
Als Zuschuss zum ALG II gibt es zudem das Einstiegsgeld, das bis zu 359 Euro betragen kann.

Unverzichtbare Finanzplanung

Bei allem Eifer für das Geschäftsvorhaben sollten Sie die Finanzplanung nie aus den Augen verlieren.
Gehen Sie davon aus, was Ihnen monatlich zur Verfügung steht und welche Zuschüsse Sie nutzen können.

Teilweise müssen solche Förderungen aber zurückgezahlt werden – planen Sie die Tilgungsraten bei der Langzeitplanung also ein. Planen Sie nicht zu knapp: Lebensunterhalt, Fahrtkosten, Anfangsinvestitionen – das alles verschlingt mehr Geld, als rein theoretisch durchkalkuliert wurde.

Ein Puffer sollte daher immer vorhanden sein. Bedenken Sie dabei auch, dass Sie anfangs gar keinen Gewinn machen, eine Privatentnahme ist daher kaum möglich.

Sie sollten in der Lage sein, auch ohne Einkommen einige Monate zu überbrücken bzw. diese Zeit gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin zu stemmen.

Tipps für Gründer aus der Arbeitslosigkeit

Sie können durchaus versuchen, sich erst einmal nebenberuflich selbstständig zu machen.

Das hat den Vorteil, dass Sie Erfahrungen sammeln und Erkenntnisse gewinnen können, Sie bekommen Kundenkontakte und können sich bereits ein Netzwerk aufbauen, mit dem sich später weiter arbeiten lässt.

Wichtig:
Das Arbeitslosengeld bekommen Sie nur weitergezahlt, wenn Sie maximal 15 Stunden pro Woche selbstständig arbeiten. Umfasst die Arbeitszeit mehr, gelten Sie nicht mehr als arbeitslos. Die Einkünfte, die Sie dabei erzielen, werden vom Arbeitslosengeld abgezogen.
Dabei gilt ein Freibetrag von 165 Euro im Monat. Angerechnet wird dabei der Umsatz minus eine Kostenpauschale von 30 Prozent. Dies ergibt den anrechenbaren Gewinn.
Sind die Kosten höher als diese 30 Prozent, so können sie reell abgezogen werden, sie dürfen also durchaus höher ausfallen. Die Einkünfte selbst sind steuerpflichtig. Das Arbeitslosengeld hingegen ist steuerfrei.
Doch Vorsicht: Wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Partner veranlagt sind, kann es sein, dass Ihre gemeinsamen Einkünfte zu einem höheren Steuersatz führen.

Ihre Geschäftsidee hat nebenberuflich funktioniert? Dann können Sie in die Hauptberuflichkeit starten und Ihre Arbeitslosigkeit beenden. Sie können nun den Gründungszuschuss beantragen.

Sollten Sie ALG II empfangen, so werden auch hier die Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit angerechnet.
Einen Freibetrag von 100 Euro können Sie dennoch geltend machen. Es ist möglich, weitere Freibeträge zu beanspruchen.
Für die Anrechnung kann es sein, dass Sie eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung vorlegen müssen. Auch hier gilt wieder, dass die Einkünfte durch ALG II steuerfrei sind, die Einnahmen aus der selbstständigen Tätigkeit hingegen müssen Sie versteuern.

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