So schützen sich Selbständige vor Burnout und Depressionen

Der Zustand permanenter Erschöpfung des Körpers und des Geistes wird als Burnout bezeichnet. Betroffene können sich nicht mehr aus dem anhaltenden Gefühl befreien, gestresst und ausgebrannt zu sein. Insbesondere für Selbständige ist die körperliche und seelische Gesundheit jedoch wichtig, um ihre Existenz aufrecht erhalten zu können. Daher sollten Symptome hinterfragt werden, um einem Burnout rechtzeitig vorzubeugen oder eine schnelle Besserung herbeizuführen.

Der Burnout beginnt schleichend und wird meist erst erkannt, wenn der Zustand der Erschöpfung bereits so weit fortgeschritten ist, dass sich der Betroffene schon fast handlungsunfähig fühlt. Einzelne oder mehrere der folgenden Symptome haben sich bereits verstärkt und äußern sich anhaltend:

  • Anhaltende Müdigkeit tagsüber bei gleichzeitig nachts auftretenden Schlafstörungen.
  • Permanenter Zeitdruck und das ständige Gefühl, nicht alle Aufgaben schaffen zu können.
  • Gefühle von Zukunftsangst und Kontrollverlust.
  • Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Grippe- und Erkältungssymptome halten ungewöhnlich lange an.
  • Fehlende Motivation und wiederkehrende Fragen nach einem Sinn wirken belastend.

Die genannten Symptome können allerdings auch auf andere Erkrankungen hinweisen. Deshalb sollte ein Arzt aufgesucht werden, der weiterführende Untersuchungen durchführt und eine sichere Diagnose stellt.

Für Selbstständige ist eine effektive und zeitnahe Behandlung einer Depression wichtig. Es sollte daher mit dem Arzt abgeklärt werden, ob eine Eletrokonvulsionstherapie (EKT) in Frage kommt. Sie wirkt dank der Gabe von Stromimpulsen schnell und effektiv, birgt aber das Risiko möglicher Gedächtnisstörungen in sich.

Vorsicht ist bei der vorschnellen Einnahme von Antidepressiva geboten. Medikamente gegen Depressionen und Burnout werden zwar millionenfach eingenommen,  gehen aber meist mit starken Nebenwirkungen einher und bekämpfen nicht die Ursache der Erkrankung.

 

Burnout und Depressionen

Die Symptome des Burnouts ähneln den Symptomen einer Depression. Bei einem Burnout können die Symptome verschwinden, wenn die Ursachen nicht mehr gegeben sind. Bei einer Depression kann das Stimmungstief jedoch unabhängig von bestimmten Gründen bestehen.

Der Burnout kann in eine Depression übergehen. Zur eindeutigen Abklärung sollte daher ein Arzt hinzugezogen werden.

Wenn eine Depression vorliegt, bringt es keine Abhilfe, einfach nur den Stress durch Reduzierung der Arbeitszeiten zu beenden oder sogar die Selbständigkeit aufzugeben. Effektiver ist es, die Depression medizinisch und therapeutisch zu behandeln. Auf diese Weise können die Symptome gelindert werden und die Selbständigkeit kann bestenfalls bestehen bleiben.

 

Ursachen, die den Burnout oder die Depression begünstigen

Eine häufige Ursache für den Burnout ist regelmäßiger und ausgeprägter Stress. Diese Form von Stress ist bei Selbständigen natürlich zunächst gewollt und zielführend, weil der Selbständige sein Geld mit einer Leistung verdient, die er zu erbringen hat. In der Psychologie wird hierbei von EU-Stress, einem positiven und produktiven Stress gesprochen.

Überfordernd und kontraproduktiv wirkt dagegen der sogenannte Dys-Stress. Kritisch wird es, wenn Arbeits- und Zeitaufwand unverhältnismäßig groß sind, während am Ende kaum ein Ertrag zustande kommt (Effort-Reward Imbalance Modell). Schlimmstenfalls schafft der Selbständige es nicht mehr, seinen Verpflichtungen vollumfänglich nachzukommen und seine Kosten zu decken. Existenzängste stressen dann zusätzlich.

Auch fehlende Unterstützung durch andere Menschen kann das Entstehen des Burnouts begünstigen. Wer alle Aufgaben alleine stemmen muss und für alles alleine die Verantwortung trägt, bekommt schneller Existenz- oder Versagensängste, weil letztlich alles von ihm selbst und seiner Leistung abhängt.

 

Menschen und Personengruppen, die häufiger unter einem Burnout leiden

Grundsätzlich kann jeder von einem Burnout betroffen sein. Es gibt jedoch Personengruppen und Personentypen, die gefährdeter sind als andere Menschen, weil sie größerem Stress ausgesetzt sind und eine weiter reichende Verantwortung tragen.

* Selbständige

Selbständig zu sein, bedeutet eine größere Verantwortung für das Vorhandensein des lebensnotwendigen Einkommens zu tragen. Das monatliche Einkommen kann stark variieren und der Leistungsdruck ist hoch. Die Existenz ist abhängig von der persönlichen Leistung, aber auch von der Konkurrenz, dem eigenen Ruf und der eigenen Gesundheit.

* Arbeitnehmer

Das Konkurrieren mit Kollegen und das Erfüllen von Vorgaben können Arbeitnehmer stark und Druck setzen. Wenn dann auch noch unzählige Überstunden oder Doppelschichten geleistet werden müssen, bleiben außerdem die notwendigen Erholungsphasen aus.

* Menschen mit vielen gleichzeitigen Verpflichtungen

In der heutigen Zeit leben zwar immer mehr Menschen allein, aber Familien gibt es natürlich auch noch. So geraten viele Selbständige und Arbeitnehmer in den Konflikt, neben der Arbeit die Familie nicht zu vernachlässigen. Dabei handelt es sich in der Regel um den Partner und die Kinder. Aber werden darüber hinaus auch noch die eigenen Eltern pflegebedürftig, können die Verpflichtungen die persönlichen und zeitlichen Möglichkeiten übersteigen.

* Schüler

Auch viele Schüler haben schon mit Burnout zu kämpfen, weil sie unter einem großen Leistungsdruck stehen und entsprechende Noten erbringen müssen, um später im Berufsleben mithalten zu können. Das Lernen beginnt mittlerweile schon im Kindergarten. Schulunterricht erstreckt sich bis über den Nachmittag. Dazu kommen weitere Verpflichtungen in Sportvereinen und im Haushalt.

* Alleinerziehende

Alleinerziehende tragen nicht nur allein die Verantwortung für ihre Kinder. Häufig fehlt auch das Geld an allen Ecken und Enden, so dass sie Vollzeit oder mindestens Teilzeit arbeiten müssen, um irgendwie über die Runden zu kommen. Betreuungsplätze für die Kinder sind oft nicht vorhanden.

Manche Alleinerziehende versuchen es mit der Selbständigkeit, weil sie ansonsten auf dem Arbeitsmarkt keine Chance mit Kindern haben. Wenn sie selbst krank werden, müssen die meisten Alleinerziehenden irgendwie weitermachen, weil ihnen niemand die Arbeit oder die Kinder über einen längeren Zeitraum abnehmen kann. Über ihnen schwebt dadurch die ständige Angst, dass alles zusammenbricht, falls sie ernsthaft krank werden sollten.

* Perfektionisten

Perfektionisten setzen sich selbst unter starken Druck, weil sie sich keine Schwächen leisten wollen und alles perfekt umgesetzt werden muss. Dadurch erzeugen sie einen enormen Leistungs- und Zeitdruck. Das Ganze wird begleitet von der Angst, dass andere besser, schneller und effektiver arbeiten könnten.

* Menschen, die nicht „Nein“ sagen können

Wenn Menschen jeden noch so kleinen Wunsch erfüllen und keine Bitte um einen Gefallen ablehnen können, halsen sie sich mehr Arbeit auf, als sie erledigen können. Eigene Bedürfnisse und Wünsche werden zurückgestellt, um anderen Menschen gerecht zu werden. Das kann zu einer gewissen Selbstaufgabe führen.

 

Burnout und Depressionen vorbeugen

Wer bei sich selbst die genannten Symptome entdeckt oder von anderen darauf hingewiesen wird, sollte möglichst schnell handeln, um eine Verschlimmerung zu verhindern. Eine ärztliche Untersuchung wird unbedingt empfohlen.

Mit vorbeugenden Maßnahmen kann ein Burnout schon von vornherein abgewendet werden, bevor Symptome überhaupt auftreten oder leichte Symptome sich verschlimmern:

  • Regelmäßige und ausreichenden Schlafphasen regenerieren den Körper und halten Körper und Geist fit.
  • Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr mit ungesüßten Getränken hält den Köper wach und leistungsstark.
  • Insbesondere Selbständige neigen dazu, zwischendurch schnell irgendetwas zu essen. Häufig greifen sie zu Fastfood. Eine gesunde Ernährung mit frischen und vitaminreichen Lebensmitteln sorgt dafür, dass der Körper gestärkt bleibt.
  • Regelmäßige Ruhepausen helfen dabei, sich anschließend wieder besser konzentrieren zu können.
  • Sport ist ein Ausgleich zum Arbeitsalltag. Er hält Körper und Geist fit.
  •  Zeit mit der Familie und Freunden sollte fester Bestandteil des Lebens sein. Die gemeinsame Zeit sollte Freude bereiten und neue Impulse geben, aber keinesfalls zu einer stressigen Pflichtveranstaltung werden.
  • „Nein sagen“ lernen und Prioritäten setzen. Wenn einer Bitte zeitlich nicht nachzukommen ist, ohne sich selbst einem enormen Stress auszusetzen, kann die Bitte mit einer kurzen und ehrlichen Erklärung abgelehnt werden.
  • Arbeitsorganisation

Wenn der Tag gut strukturiert ist und Routine-Tätigkeiten fast wie von selbst ablaufen, wird die Arbeit bereits erleichtert. Darüber hinaus hilft eine gut Arbeitsorganisation:

  • Selbständige sollten immer einen Überblick über den Arbeitstag behalten, der sie vor extremen Stress-Situationen schützt. Deshalb sollten alle Termine, Aufgaben, aber auch Freizeit- und Familienaktivitäten in einem Terminkalender festgehalten werden.
  • Große und unübersichtliche Projekte sollten in Teilaufgaben zerlegt werden, um den Überblick zu behalten und kleinere, motivierende Erfolge zu erzielen.
  • Der Arbeitsplatz wird stets aufgeräumt. So muss nie lange gesucht werden und es entstehen Zeitersparnisse.

Vorrausschauendes Arbeiten bringt ebenfalls Zeitersparnisse. Benötigte Bestellungen sollten rechtzeitig erfolgen und Termine in einem Ort sollten zusammengelegt werden.

Fazit

Der bestehende oder drohende Burnout sollte als Warnung des Körpers verstanden werden. Es ist eine Chance, um Veränderungen herbeizuführen, welche die Lebensqualität nachhaltig verbessern. Mit Achtsamkeit und Rücksicht auf die eigenen Bedürfnisse kann einem Burnout von vornherein entgegengewirkt werden.

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