Fluch oder Segen: Ist ein Brauereivertrag sinnvoll?

Der Brauereivertrag kann für angehende Gastronomen Fluch und Segen zugleich sein. Die Entscheidung für oder gegen einen Brauereivertrag hängt von vielen Faktoren ab und muss für jeden Einzelfall individuell getroffen werden.

In der Gastronomie sehen sich Existenzgründer wie in kaum einer anderen Branche mit der Frage nach der Finanzierung ihrer Gesachäftsidee konfrontiert. Die Bank als klassischer Darlehensgeber scheidet in den meisten Fällen aus, da man dort bei der Finanzierung von Gastronomen sehr vorsichtig geworden ist und das Rating nur selten positiv ausfällt. Als Existenzgründer bleiben dann nur noch zwei Möglichkeiten – entweder man hat das nötige Kleingeld auf der hohen Kante liegen, was jedoch so gut wie nie der Fall ist. Oder man entscheidet sich für einen Brauereivertrag, um sich das Startkapital auf diesem Wege zu organisieren. Der Brauereivertrag sollte idealerweise sowohl für den Gastronomen als auch die Brauerei von Vorteil sein. Ob dies auch in der Praxis gewährleistet werden kann, muss von jedem Gastronomen vor der Unterzeichnung des Brauereivertrags unter Abwägung der Vor- und Nachteile sorgfältig geprüft werden. Im Folgenden werden die wichtigsten Eigenschaften eines typischen Brauereivertrags genannt, welche jeder angehende Gastronom bei seiner Entscheidung berücksichtigen sollte.

Darlehen von der Brauerei

Während bei einem Darlehensvertrag zwischen Bank und Kunde eine feste Laufzeit mit fixen Zinsen für das Darlehen vereinbart wird, enthält ein Brauereivertrag in der Gastronomie in der Regel einige davon abweichende Regelungen. Je nach Höhe des von der Brauerei gewährten Darlehens verpflichtet sich der Gastronom zu einer bestimmten Mindestlaufzeit des Brauereivertrags. Anstatt der Zinsen und der Tilgungsrate wird im Brauereivertrag eine Mindestabnahmemenge pro Jahr vereinbart, an welche der Gastronom zwingend gebunden ist.
Hierbei handelt es sich um die erste Stolperfalle, welche ein Brauereivertrag für den Gastronomen enthalten kann. Während ein regulärer Darlehensvertrag mit einer Bank relativ zuverlässig zu kalkulieren ist, beruht die voraussichtliche Abnahmemenge vor allem auf Vermutungen oder bestenfalls Hochrechnungen. Dies gilt umso mehr, wenn es sich um die Neueröffnung eines Restaurants oder eine Bar handelt. Kann der Wirt die vertraglich vereinbarte Menge nicht umsetzen, so macht er sich gegenüber der Brauerei schadensersatzpflichtig.

Brauereivertrag sorgt für exklusive Bindung an den Lieferanten

Neben der Mindestabnahmemenge dient die Exklusivität als zweite wichtige Sicherheit für die Brauerei. Der Gastronom verpflichtet sich dazu, ausschließlich das Sortiment seines Vertragspartners zu verkaufen. Da viele Brauereien neben Bier auch Softdrinks und weitere Getränke im Sortiment führen, kann diese Klausel für den Gastronomen zu weitreichenden Einschränkungen führen. Einerseits verliert er seine Flexibilität bezüglich seiner Produktvielfalt, andererseits ist er an den vertraglich vereinbarten Bezugspreis gebunden. Durch die Direktabnahme von der Brauerei kann der Gastronom also nicht von Angeboten oder ähnlichen Rabatten profitieren, was zu einer teilweise erheblichen Minderung der Gewinnspanne führen kann.

Ein wirklicher Wettbewerbsvorteil durch die exklusive Partnerschaft mit einer bestimmten Brauerei ergibt sich für den Gastronomen daher nur, wenn es sich bei dem Partner um einen Marktführer handelt und dieser sich auf einen Brauereivertrag mit für den sehr attraktiven Konditionen für den Gastronomen einlässt. Solche Konstellationen sind in der Praxis aber eher selten anzutreffen, da sich auch die Brauereien ihres Marktwerts durchaus bewusst sind.

Erstausstattung mit Gläsern und Thekeneinrichtung

Häufiger Bestandteil vieler Brauereiverträge ist neben oder anstatt eines Darlehens die Erstausstattung des Lokals mit Gläsern oder sonstigen Teilen der Einrichtung. Hier gewährt die Brauerei sehr attraktive Rabatte oder übernimmt die anfallenden Kosten sogar in voller Höhe. Im Gegenzug wird aber auch in diesen Fällen eine Mindestabnahmemenge pro Jahr vereinbart, was die bereits genannten Vor- und Nachteile mit sich bringt. Der Gastronom sollte sich daher auf keinen Fall zu einer utopischen Abnahmemenge verpflichten lassen, sondern vielmehr auf einer vorsichtig kalkulierten Menge bestehen. Grundsätzlich gilt dabei, dass die vertraglich festgesetzte Abnahmemenge sinkt, je geringer die finanzielle Zuwendung der Brauerei ausfällt. Sollte die Schere zwischen benötigtem Kapital und dem vorhandenen Eigenkapital zu weit auseinandergehen, so sollte der Gastronom im Zweifelsfall von seinen Plänen lieber Abstand nehmen. Die vertraglich vereinbarte Abnahmemenge hat schon manche Existenz ruiniert, wenn sich diese nicht wirklich auch erwirtschaften lässt.

Unterstützung durch Werbung

Zu den wichtigsten Vorteilen neben der Gewährung eines Darlehens als Startkapital gehört beim Brauereivertrag die nachhaltige Unterstützung durch die Brauerei im Bereich der Werbung. Üblicherweise stellt die Brauerei ihrem Werbepartner ein jährliches Budget bereit, welches zweckgebunden für Schilder, Plakate oder Werbeanzeigen zur Verfügung steht. In einigen Fällen beteiligen sich Brauereien auch an den Kosten für die Planung und Durchführung von Events oder übernehmen die Kosten sogar in voller Höhe. Hier sind dem Gestaltungsspielraum des Brauereivertrags keinerlei Grenzen gesetzt und der Gastronom sollte die in diesem Bereich bestehenden Möglichkeiten gründlich ausloten. Überregionale Brauereien mit hohen Jahresumsätzen zeigen sich hier häufig sehr viel spendabler als kleinere Brauereien.

Wichtige Tipps für den Brauereivertrag

Vor der Unterschrift unter einen Brauereivertrag sollten sich Existenzgründer auf jeden Fall Angebote mehrerer Brauereien einholen und auch alle sonstigen Optionen prüfen. Auch wenn Banken nur selten ein Darlehen zur Existenzgründung in der Gastronomie gewähren, sollte diese Möglichkeit seitens des Gastronomen nicht kategorisch ausgeschlossen werden. Insbesondere mit einem überdurchschnittlich hohen Eigenkapitalanteil kann die Kreditwürdigkeit bei einer Bank steigen und letztendlich zu einem positiven Ergebnis führen. Andererseits können Brauereiverträge auch besser sein als ihr Ruf, sofern es sich dabei nicht um einen Knebelvertrag handelt, der nur auf die Bedürfnisse der Brauerei eingeht. Für die Ausgestaltung eines Brauereivertrags sollte in jedem Fall ein einschlägig erfahrener Rechtsanwalt hinzugezogen werden.

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