Elternzeit und Elterngeld für Selbstständige

So manch einer stellt fest, dass er sich während der Elternzeit nicht ausgelastet fühlt oder dass die aktuelle Finanzlage nicht unbedingt so rosig aussieht, wie ursprünglich gedacht.

Rasch kommt da der Gedanke auf, sich selbstständig zu machen.



Doch was gilt es dabei zu beachten, welche Regelungen müssen bedacht werden?

Zuerst einmal ist es per Gesetz möglich, in der Elternzeit selbstständig tätig zu sein.

Wichtig ist nur, dass dabei 30 Stunden in der Woche nicht überschritten werden dürfen.

Hier gilt keine Einkommensgrenze, sondern lediglich die genannte Stundenzahl.

Wer sich in der Elternzeit mit der Tagespflege beschäftigt, kann sogar mehr als diese 30 Stunden haben, hier bezieht sich die Vorgabe auf die Anzahl der Kinder. Maximal fünf Kinder dürfen betreut werden.

Die Grenze von 30 Stunden ist darauf ausgelegt, dass es bei einer Mehrarbeit kein Elterngeld mehr gibt.

Grundsätzlich steht dem Elternteil, das beruflich pausiert und das Kind oder die Kinder betreut, für maximal 12 Monate (oder 14 Monate bei Beteiligung des anderen Elternteils an der beruflichen Auszeit) Elterngeld in Höhe von 300 Euro zu.

Wenn schon ein Geschwisterkind da ist, dieses aber das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet hat (bzw. das älteste Kind noch nicht älter als sechs Jahre ist bei Vorhandensein von mehreren Geschwisterkindern), gibt es noch einmal 75 Euro für den so genannten Geschwisterbonus.

Wenn nun aber die selbstständige Tätigkeit 30 Wochenstunden übersteigt, so wird das Elterngeld gestrichen.


Bei Antragstellung des Elterngeldes ist die selbstständige Tätigkeit anzugeben

Angegeben werden muss die selbstständige Tätigkeit schon bei der Beantragung des Elterngeldes, wobei geeignete Nachweise beizufügen sind.

Wer nun nicht schon vorher selbständig gearbeitet hat und folglich auch keine Gewinn- und Verlustrechnung vorlegen kann, muss sich auf Schätzungen seines Gewinns berufen.

Zusätzlich müssen Nachweise über Sozialabgaben beigebracht werden.



Sobald es möglich ist, den exakten Gewinn nachzuweisen, muss dies der zuständigen Stelle gemeldet werden. Es kann sogar sein, dass alle drei Monate ein Nachweis erbracht werden muss, sofern das möglich ist.

Das hat den Vorteil, dass Rückzahlungen von zu viel berechnetem Elterngeld vermieden werden.

Den steuerlichen Aspekt der selbständigen Tätigkeit muss das zuständige Finanzamt überprüfen, es behandelt einen Nebenerwerb als Selbstständiger nicht anders, als jemanden, der dieser Tätigkeit hauptberuflich nachgeht.


Elterngeld für Selbstständige

Für viele Menschen stellt sich während der Elternzeit die Frage, wie sie ihren Lebensunterhalt eigentlich finanzieren sollen.

Sicher, das Elterngeld wird gezahlt, ersetzt aber eben nicht das frühere Einkommen.

Dafür sind die Kosten gestiegen.

Schnell ist so der Plan gefasst, sich als Selbstständiger im Nebenerwerb zu betätigen.

Wichtig ist, dass hierfür die Erlaubnis des Arbeitgebers eingeholt werden muss, wenn vorher in einem Angestelltenverhältnis gearbeitet wurde.

Das nebenberuflich verdiente Geld kann dann für die Aufstockung des staatlichen Zuschusses verwendet werden.

Allerdings sollte beachtet werden, dass die Einnahmen beziehungsweise der Gewinn, der durch die selbstständige Tätigkeit erzielt wird, auf den Zuschuss angerechnet wird.

Das heißt, es muss zum einen beides versteuert werden, zum anderen verringert sich das Elterngeld.



In dem Zusammenhang sei erwähnt, dass eine Einnahme, die eigentlich aus der Zeit vor der Geburt des Kindes stammt, aber erst nach der Geburt gezahlt wird, ebenfalls auf das Elterngeld angerechnet wird.


Die Einnahmen der Selbstständigen sollte gut im Vorab geplant werden

Ein hoher Gewinn als Selbständiger in den zwölf Monaten vor der Geburt erhöht das Elterngeld, ein hoher Gewinn nach der Entbindung verringert den Zuschuss.

Der Gewinn, der nach Beendigung der Elternzeit auf dem Konto des Selbstständigen eingeht, verringert das Elterngeld allerdings nicht.

Grundsätzlich darf jeder, der sich in der Elternzeit befindet, bis zu 30 Stunden pro Woche arbeiten und hat immer noch Anspruch auf Elterngeld.

Wer eine längere Arbeitszeit vorweist, bekommt kein Elterngeld mehr, denn dann wird nicht mehr davon ausgegangen, dass eine berufliche Auszeit genommen wird um den Nachwuchs zu erziehen.



Wie berechnet sich das Elterngeld bei einer nebenberuflichen Selbstständigkeit?

Es wird vom Einkommen vor der Geburt ausgegangen, das sind zum Beispiel 2000 Euro pro Monat.

Nach der Geburt wird sich das Einkommen auf 1000 Euro beschränken.
Nun wird die Differenz von 2000 und 1000 gezogen, das sind 1000 Euro.

Davon werden 65 Prozent als Elterngeld gezahlt. Wer nichts hinzuverdient, bei dem werden die 65 Prozent von der ursprünglichen Summe – in unserem Beispiel die 2000 Euro – berechnet.

Teilweise ist es also nicht wirklich lohnend, nebenberuflich selbstständig tätig zu sein, allerdings kann es für jemanden, der bereits vor der Elternzeit selbstständig gearbeitet hat, wichtig sein, den Kundenstamm weiter zu bedienen und sich somit einen guten Start für die Zeit nach der Elternzeit zu sichern.

Autor: Jürgen Busch


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Bernhard Schaus und ein kleines Team arbeitet an diesem Ratgeber für Selbstständige und Kleinunternehmer seit 2016.
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